Jubiläum des Verbandes - 75 Jahre Leben und Lernen unter einem Dach

Beitrag vom 19.01.2026

Der Verband der Bildungszentren im ländlichen Raum e.V. feiert im Jahr 2026 sein 75-jähriges Bestehen. Gemeinsam mit den Mitgliedern, Partnern und Lernenden der Bildungszentren wollen wir diesen Anlass nutzen, um – ganz im Sinne des Jahresthemas OptimisMUT – optimismutig in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu schauen. 

Es ist bemerkenswert, wie aufschlussreich historische Daten sein können. Der Verband der Bildungszentren im ländlichen Raum ist nahezu so alt wie die Bundesrepublik Deutschland selbst. Diese zeitliche Nähe ist mehr als ein Zufall: In ihr zeigt sich eine enge Interdependenz zwischen der demokratischen Neugründung Deutschlands nach 1945 und dem Entstehen eines Bildungsverständnisses, das Freiheit, Verantwortung und Teilhabe ins Zentrum stellt. Bildung braucht einen Rahmen, der ihr eine freiheitliche, demokratische Grundordnung sichert – und sie braucht Orte, an denen diese Ordnung gelebt, erlernt und eingeübt wird. Genau hier setzen die Heimvolkshochschulen an.

Eine weitere, vielsagende Parallelität zeigt sich um das Jahr 1990. Mit der deutschen Wiedervereinigung entstanden Heimvolkshochschulen auch in den fünf neuen Bundesländern. Wieder ging es darum, Demokratie nicht nur institutionell zu verankern, sondern kulturell und sozial zu durchdringen. Politische Bildung und Demokratiebildung waren und sind ein wesentliches Rückgrat dieser Arbeit. Die Mitgliedseinrichtungen des VBLR tragen diese Bildungsarbeit bewusst in die ländlichen Räume und leisten damit einen unverzichtbaren Beitrag zur Stärkung demokratischer Kultur jenseits der urbanen Zentren.

Dieses Selbstverständnis steht in der Tradition des skandinavischen Bildungsdenkens, insbesondere in der Nachfolge von N.F.S. Grundtvig. Sein oft zitierter Satz „Die Sonne geht mit dem Bauern auf – nicht mit dem Gelehrten“ bringt eine radikale Wertschätzung lebensnaher Bildung zum Ausdruck. Bildung ist nicht elitär, sondern an den Alltag, an Arbeit, Gemeinschaft und Verantwortung gebunden. Viele Heimvolkshochschulen sind genau aus diesem Geist heraus entstanden: vor Ort, häufig von Landwirt*innen und ihren Trägern ins Leben gerufen, eng verbunden mit Region und Menschen. So tragen sie bis heute zu einem ausgewogeneren Verhältnis zwischen Stadt und Land bei.

Darüber hinaus bauen die Heimvolkshochschulen eine weitere, ebenso wichtige Brücke: zwischen Kirche und Gesellschaft. Evangelische wie katholische Einrichtungen entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Frage heraus, welchen Beitrag christliche Werte zur Demokratisierung leisten können. In den Bildungszentren vollzieht sich eine Übersetzungsarbeit: Wie wird das Wort der Kirche wirksam in Ethik, Moral, Verantwortung für die Schöpfung – und ganz konkret auch für die Landwirtschaft und die ländlichen Räume?

Diese Dialektik von Bildung und Gesellschaft, von Tradition und Erneuerung, prägt den Verband seit nunmehr 75 Jahren. Das ist Grund zum Feiern – und zum Weiterdenken. Denn Demokratie, so hat Hal Koch formuliert, ist ein Gespräch. Und die Heimvolkshochschule ist, wie der ehemalige Leiter einer namhaften dänischen Heimvolkshochschule Jørgen Carlsen einmal sagte, der organisierte Protest gegen die Gleichgültigmachung des Lebens. In diesem Sinne geht es nicht darum, jederzeit veränderungsbereit zu sein, sondern vielmehr verwunderungsbereit zu bleiben – offen für Menschen, Fragen und die gemeinsame Suche nach Orientierung.


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